Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

103. Kapitel: Gesegnete Frucht der Demütigung Martins.

   01] Spricht Bischof Martin nun in seinem Herzen: »Ich danke dir mit aller Liebe meines Herzens, daß du mich in so wichtigsten Dingen klar wie bisher noch nie unterwiesen hast! Jetzt fange ich erst so ein bißchen mich auszukennen an, was das heißt: ein innerer Mensch sein und als solcher reden und handeln! Nun wird mir auch klar, was bei meinem ersten Hiersein unter der Leitung des Herrn ein Mondbewohner zu mir gesagt hat, dem ich lächerlichsterweise meine Blitzdummheit als himmlische Weisheit anbinden wollte.
   02] Ja, Bruder, nun geht mir ein ganz neues Licht auf! Ich erschaue nun Wirklichkeit, wo ich früher noch Wunderhaftes, nur dieser Welt Eigentümliches gesehen zu haben wähnte. Ich danke dir, du lieber Bruder, und ganz besonders ewig Dir, Du mein Gott, Herr und Vater; ja, jetzt wird es freilich gut gehen! In dieser Verfassung nun dürfen tausend Chinesinnen zu mir kommen, und ich werde sie alle auf die allerbeste Art bedienen!«
   03] Spricht heimlich wieder Borem: »Ja so ist es; aber du mußt dich sehr zusammennehmen! Denn es gehört anfangs eine recht starke Überwindung dazu, daß man mit dem Munde schweigt, wo einem die Zunge aus lauter angewohnter Plauschwut förmlich aus dem Munde springen möchte.
   04] Manchmal legt einem der Herr aus sicher höchst weisen Gründen die Antwort auch nicht augenblicklich ins Herz, wie man sie oft haben möchte. Aber da heißt es dann, in aller Liebe und Ergebung ganz ruhig und gelassen abwarten, bis es dem Herrn gefällt, die erwünschte Antwort uns ins Herz zu legen!
   05] Also diese Verhaltungsregel noch hinzubeachtet, liebster Bruder, dann wird alles überaus gut gehen! Nun aber rüste dich; siehe, sie ist schon völlig bei dir, die dich nun überaus scharf beobachtet hat!«
   06] Spricht Bischof Martin im Herzen: »Jetzt kommt sie sicher mit einer ganzen Legion Esel in aller Wirklichkeit. Ich aber werde sie alle ertragen, gleich wie der freie Weltenraum das endlose Heer von Sternen, Erden und Sonnen erträgt, ohne dabei müde zu werden. In Deinem Namen, Herr, mag nun kommen, was da wolle! Auf meinem geduldigsten Rücken soll nun so manches Kreuz und Kreuzlein ganz bequem Platz finden, ich werde es schon ertragen in aller Liebe und Geduld. Also nur zu jetzt im Namen des Herrn!«


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