Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

65. Kapitel: Bischof Martin macht die geistig-blinden Jesuiten sehend.

   01] Diese Jesuiten aber übernimmt Bischof Martin zur Bearbeitung und beginnt mit diesen Kopfschüttlern und Achselzuckern einen ganz radikalen Diskurs zu führen, der so lautet:
   02] »Warum schüttelt ihr verneinend eueren Kopf und zuckt zweifelhaft mit den Achseln? Versteht ihr die Sache etwa besser als eure nun recht bieder denkenden Gefährten? Ich glaube es kaum! Ich weiß aber, wo ihr hinauswollt, und eben darin liegt der Grund, warum ihr wenigen hierbei den Kopf schüttelt und die Achseln zuckt! Seht, ich will euch sagen, was euch noch die dreifache Decke Mosis vor den Augen hält!
   03] Zuerst ist es euer alter, starrer, unbeugsamer Sinn, der eure Gemüter noch fortwährend beherrscht und kein besseres und reineres Licht in eure Herzen kommen läßt. Fürs zweite aber ist es euer finsterer Irrwahn, demzufolge ihr glaubt, es gehöre, um ein Christ zu sein, vorerst nichts als die Taufe dazu. Man brauche jemanden bloß nur im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes zu taufen - und der Christ ist nach eurem Irrglauben fertig! Wahrlich, ein schöner Glaube! Und fürs dritte seid ihr noch der hochmütigen Meinung und des herrschsüchtigsten Glaubens, ihr seid die rechten Apostel des Herrn und habt von Ihm die Gewalt, zu tun, was ihr wollt, weil ihr den wahren Heiligen Geist hättet!
   04] O ihr alten Narren! Wodurch könnt ihr das beweisen? Wo steht in der Schrift ein solcher Text, durch den sich eure Narrheit rechtfertigen ließe? Meint ihr, daß der Herr auch zu euch vollkommensten Widerchristen geredet hat, was Er zu Petrus und zu Seinen andern Aposteln geredet hat, als Er sie in die Welt hinaussandte, das Evangelium allen Völkern zu verkünden? Oh, da seid ihr in großer Irre! Seht, dort heißt es: a 'Nehmt hin den Heiligen Geist! Was ihr - im Besitze dieses Heiligen Geistes binden oder lösen werdet auf Erden, das soll auch im Himmel gebunden oder gelöst sein!' ( a mt.18,18; joh.20,23)
   05] Habt ihr aber je diesen Heiligen Geist besessen? Kann sich der Heilige Geist je selbst widersprechen, kann er ändern, was er einmal für ewig bestimmt hat? Oder kann er auch noch weiser werden und einsehen, daß seine einmal gegebenen Gebote mangelhaft seien und daher mit neuen und besseren zu ersetzen sind?
   06] Hat denn der Heilige Geist zu den Zeiten der Apostel noch nicht eingesehen, daß da später Mönche aller Farben und Gattung vonnöten sein werden, die Menschen in den Himmel zu bringen? Daß da Bilder, Schnitzwerke, Reliquien, Gnadenbilder, Glocken, Weihbronn, Weihrauch, Meßgewänder, Mönchskutten, Kirchen und Klöster, Kelche und Monstranzen, Meßglöckchen und lateinisch korrespondierende Ministranten und tausend derlei Torheiten mehr nötig sein werden, um in den Himmel zu kommen? Wie blind muß der Heilige Geist damals doch gewesen sein, daß er solche Notstücke nicht schon zu den Apostelzeiten für das Seelenheil der Menschen eingesehen und sogleich angeordnet hat!
   07] Oder sind die ersten Christen samt Petrus und Paulus eben darum nun wirklich des Teufels, weil sie keine Kirchen, keine Glocken, keine lateinischen Messen und Totenämter hatten und keine seligmachenden Gnadenbilder, sogar keine Beichte und letzte Ölung, keine teuer bezahlten Seelenämter, kein Verschiedenläuten, kein Bahrtuch, keine Windlichter und gelben Wachskerzen und dergleichen mehr?!
   08] Seht ihr denn solch einen Unsinn noch nicht ein? Seht ihr nicht ein daß wir alle - eben durch diese von unserer Habsucht und glänzenden Herrschgier ganz eigenmächtig, nicht nur ohne den allergeringsten evangelischen Auftrag, sondern schnurgerade wider das Wort Gottes und wider die Lehre aller Apostel kreierten - sogenannten gottesdienstlichen Werke, Gesetze und Zeremonien die offenbarsten Sünder gegen den Heiligen Geist waren, von denen es heißt, daß es ihnen nicht vergeben wird, weder zeitlich noch ewig?
   09] So ihr das reine Wort des Herrn an alle Menschen nur einmal oberflächlich vergleicht mit unserem römisch-katholischen Unsinn, muß es euch ja wie Schuppen von den Augen fallen. Und ihr müßt vollkommen einsehen, daß Rom nichts als die in der göttlichen Offenbarung nur zu klar bezeichnete Hure Babels ist und wir Priester zuallernächst ihre Engelchen Gott-steh-uns-bei - sind in optima forma!
   10] Laßt also, liebe Brüder und Schwestern alle, euren alten weltlichen Unsinn fahren! Wendet euch samt mir alle an den alleinigen Gott und Herrn, Jesus Christus - so werdet ihr alle sicher in Gnaden angenommen werden!
   11] Aber hört: nicht diese meine magere, wennschon gut gemeinte Beredung, sondern euer eigener Wille und die Liebe eures Herzens bestimme euch fest und unabänderlich dazu!«
   12] Alle sind nun mit dem Bischof Martin einverstanden, - nur die Herz-Jesu-Damen sagen: »Bis wir nicht von Gott Selbst, oder wenigstens von der seligsten Jungfrau Maria den Auftrag dazu erhalten, bleiben wir der römischen Mutter getreu und nehmen von euch keine neue Lehre an, die uns in die Hölle bringen könnte!«
   13] Spricht Bischof Martin: »Nur still, ihr dummen Greteln! Der Herr wird euch sogleich eine ganz eigene Wurst braten lassen! Wollt ihr das Evangelium nicht zu eurer Lebensrichtschnur nehmen für ewig, so bleibt in eurer Dummheit eine ganze Ewigkeit lang und zehrt an dem Speck eurer lieben römischen Mutter! Daß ihr dabei sicher nicht zu fett und schön werdet, dafür wird des Herrn Weisheit Sorge tragen. Denn der Herr versteht es, so dumme Geister auf eine ganz gehörige, überhomöopathische Diät zu setzen, welche oft eine kleine Ewigkeit dauert und solchen dummen Geistern entschieden die besten Dienste leistet - was ich aus der Erfahrung weiß!
   14] Lassen wir diese dummen, finstern Damen bei ihrem Glauben! Wir aber wollen uns nun einem bessern Lichte zuwenden im Namen des Herrn!«


voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel