Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

61. Kapitel: Reden, körperliche Verfassung und geistige Torheit von Herz-Jesu-Schwestern. Martins Moralpredigt an sie.

   01] Die Schulschwestern treten nun etwas murrend zurück. Die Herz-Jesu-Damen treten hervor und beginnen sogleich folgende Rede zu führen: »Allerhochwürdigster Herr! Wir sind Damen des allerersten Damenordens der Welt, in welchen Orden nur Mädchen von sehr reichen, angesehenen und adeligen Häusern aufgenommen werden, wo sie alles lernen können, was es in der Welt nur immer zu lernen gibt!«
   02] Bischof Martin bei sich: »Nicht übel, - die fangen schon gut an! Gerade so wird's der Herr am besten brauchen können, oder was anders?«
   03] (Die Herz-Jesu-Damen:) »Alle Sprachen, Musik und Tanzen, allerlei andere Gymnastik - wie Fechten, wo tunlich auch das Reiten -, dann Zeichnen, Malen, allerlei Kunststickereien und Kunstnähereien! Daneben natürlich werden auch alle andern Wissenschaften traktiert wie die vollkommene Geographie, Mathematik, Physik, Astronomie, Geschichte, Nautik, Hydraulik, Geometrie, Trigonometrie, Stereometrie, Poesie in den nobelsten Sprachen Europas und noch eine Menge anderer nützlicher Gegenstände.
   04] Kurz und gut, in unserm Orden werden aller Welt Wissenschaften gelehrt und aller Welt Künste geübt - natürlich nur, so es verlangt und dafür gezahlt wird. Die übrige Zeit aber wird mit Beten, Singen, mitunter auch mit Fasten zugebracht, täglich eine Messe gehört und wöchentlich dreimal Beichte und Kommunion. Auf die Übertretung der strengen Ordensregeln sind auch angemessene scharfe Strafen gesetzt, welche allzeit leider genauer beachtet werden als die Ordensregeln selbst!«
   05] Bischof Martin bei sich: »Schau, bin doch auch ein Bischof gewesen, aber die Geheimnisse dieses Ordens habe ich nie so ins Detail eingesehen wie eben jetzt! Ah, an diesem Orden muß der Herr ja eine ganz besondere Freude haben!?«
   06] (Die Herz-Jesu-Damen:) »Du lieber, allerhochwürdigster Freund, du siehst daraus, - «
   07] Bischof Martin bei sich: »daß ihr die dümmsten Gänse seid!«
   08] (Die Herz-Jesu-Damen:) »welche schwere Regeln unser allerstrengster Orden hat und welche Größe«
   09] Bischof Martin bei sich: »der Dummheit«)
   10] (Die Herz-Jesu-Damen:) »von Selbstverleugnung dazu gehört, alle diese tausend schwersten Regeln genau zu beachten. Ja, ich sage dir, nur wahre Riesen«
   11] (Bischof Martin bei sich: »von Narren«)
   12] (Die Herz-Jesu-Damen:) »von Geistern gehören dazu, um alle die schwersten Regeln zu beachten! Dennoch haben wir alle wie wahre Heldinnen fürs Himmelreich all diese Regeln genauest beachtet und geglaubt, der Himmel könne uns auf diese Art unmöglich entgehen!«
   13] Bischof Martin bei sich: »Da gehört wirklich ein sehr starker Glaube dazu!«
   14] (Die Herz-Jesu-Damen:) »Aber da siehst du uns jetzt nach einigen Millionen von Erdenjahren noch ganz so elend, wie wir uns zu ersten Male hier in dieser Geisterwelt befanden. Dies dein Haus ist der erste herrliche Gegenstand, der uns in dieser Welt zu Gesichte gekommen ist. - Frage: Ist das wohl auch eine göttliche Gerechtigkeit?!«
   15] Bischof Martin bei sich: »O nirgends mehr als eben hier bei euch dummen Gänsen!«
   16] (Die Herz-Jesu-Damen:) »Anstatt, daß man uns den wohlverdienten Himmel gegeben hätte, mußten wir von einem ganz roh und ungebildet aussehenden, gemeinsten Bauernbengel, als wir bei einer Pforte anklopften, über der geschrieben stand: 'Tür in den Himmel!' die Worte anhören: 'Zurück mit euch, ihr dummen und törichten Jungfrauen! Warum habt ihr eure Lampen nicht zuvor mit Öl gefüllt!'«
   17] (Bischof Martin bei sich: »Nichts mehr als billig! Diese Gänse könnte ich schon beinahe selbst aus meinem Hause treiben!«)
   18] (Die Herz-Jesu-Damen:) »Darauf verschwand diese Himmelspforte, und wir waren sogleich von einer Menge kleiner Teuferl umringt, die aussahen wie Irrlichter. Diese Teuferl hüpften fortwährend um uns herum und neckten uns jämmerlich die ganze endlose Zeit hindurch, bis wir erst vor kurzem diese gegenwärtige Gesellschaft trafen auf unserer schon nahezu ewigen Flucht!
   19] Was sagst du, liebster, allerhochwürdigster Freund dazu? Was ist das, - was sollen wir denn tun, um vielleicht doch einmal in einen etwas bessern Stand zu gelangen? Oh, rate uns, du liebster, hochwürdigster Freund!«
   20] Spricht Bischof Martin ganz lakonisch-ironisch: »Ah, ah, ah, da hat euch der Herr freilich sehr unrecht getan! Denn ihr habt ja doch genau nach dem Evangelium gelebt! Ah, das muß ich sagen, da ist der Herr Jehova Jesus sehr ungerecht, wenn Er auf die sehr evangelischen Regeln eures Ordens den Himmel verheißen hat - und ihn euch hernach nicht geben will! Das könnte man von Ihm sogar impertinent und trés mal honnete (sehr unehrenhaft) nennen! So zarten und doch so übergelehrten Herzerln den Himmel versagen, - ah, das ist doch alles, was man sagen kann? Es müßte nur sein, daß ihr vielleicht heimlich untereinander sodomitische Unzucht getrieben hättet? Oder ihr hättet etwa neben euren tausend gelehrten Ordensregeln die beste christliche Regel der Nächstenliebe ganz hintangesetzt?!
   21] Spricht eine andere, stark französisch wirken wollende Dame: »Aeh ne, aeh ne, mon ami, mer leben schon all' sehr Keußeit, ond Religion habe mer aug sehr gehabt! O mon dieu, was brauk mer plus pour le Imel?' Der Näckstelieb sein le ons, und den sodomitischen Onzucht könn' mer nikt, we sein der für Fih!? Mer habe urdenlik geleben ond verstege, mon ami, keiß wie den Blumen! Was will mer plus Monsieur Jesu Christ?«
   22] Spricht Bischof Martin: »Ich bitte dich, höre mir um Gottes willen auf mit dieser Sausprache! Bist doch eine Deutsche und kannst aus lauter Sprachenmodedummheit deine Muttersprache nicht reden? Glaubst denn du, so eine deutsche Franzosengretel wird hier in den Himmel kommen? Ich sage dir, du extra dumme Gans, da hat's noch lange Zeit! Nein, das ist mir noch nicht vorgekommen hier im Geisterreiche! Geister sogar anderer Planeten haben mit mir ganz rein deutsch gesprochen, und dieser dummen Herz-Jesu-Dame gefällt noch's Französische besser, als deutsch mit einem Deutschen zu reden! - Warum hat denn deine Vorgängerin, die doch eine geborne Lyonerin ist, mit mir gut deutsch reden können, und warum du stolze Gans nicht?!
   23] Spricht die Dame: »O Freund, weil ich glaubte, mich dadurch bei dir recht einzustellen!«
   24] Spricht Bischof Martin: »Das war wohl ein ganz dummer Glaube gleich dem, durch den ihr alle für eure grenzenlose Dummheit von Gott den Himmel erwartetet! Meint ihr, der Herr hat den Himmel für solche dummen Gänse gemacht? Oh, da seid ihr in einer sehr großen Irre! Ich sage euch: Eher kommen alle Esel und Ochsen hinein denn ihr, merkt euch das! Geht dort in den hintersten Winkel und lernt zuerst die Demut! Dann erst kommt und fragt, ob für euch irgendeine Kuhmagdstelle im untersten Himmel zu vergeben sein wird - woran ich sehr zweifle. Geht, wohin ich euch beschied!«


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