Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

148. Kapitel: Fortsetzung und Schluß der kritischen Weisheitsrede der drei Sonnentöchter.

Originaltext 1. Auflage 1896 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 3. Auflage 1960 Lorber-Verlag

01] „Wir nahmen wohl wahr, daß besonders dieser Bruder, den ihr „Martin" nennet, einige sehr beachtenswerthe Fünklein mystischer Weisheit besitzet, ähnlich der unserer Hochgebirgsweisen, die uns auch manchmal mit Dingen kommen, die so wie ihre Wohnungen, über unserem Gesichts- und Erkenntnißkreise liegen; aber was nützet ihm und euch solch eine hohe Mystik, wenn euch die ersten Prinzipien der praktischen Lebensweisheit gänzlich ermangeln!?

02] Diese aber bestehen in der gerechten Nachgiebigkeit gegen Schwache, denn wo der Starke gegen den Schwachen stark sein will, und ein Sieger über ihn, da ist alle Ordnung der Weisheit verloren; denn jede Kraft muß den Sieg in ihrem klaren Bewußtsein finden, und nie in der schmählichen Unterjochung dessen, der schon von weitem als der bei weitem Schwächere erscheint.

03] Und also handelten auch wir, als wir euch als die bei weitem Schwächeren auf unserem Boden erschauten; wir thaten, was ihr wolltet, um euch desto tiefer erforschen zu können; wir haben ja auch nun genau erforschet, und erkannt, daß ihr sehr bedauerliche Wesen seid, daher laden wir euch trotzdem, daß ihr Geister seid, denn auch ein, bei uns zu verbleiben, um hier die rechte Weisheit zu erlernen, die euch vor Allem noth thut, wollet ihr mit der Zeit bessere Gedanken und Begriffe von dem allerhöchsten Geiste bekommen!

04] Wohl haben uns unsere reinen Geister aus den schwebenden Lichtgewässern verkündet, daß wir uns euch nicht widersetzen sollen, da in eurer Mitte sich der Erschrecklichste befinde! Aber wir begriffen diesen Zuruf damals nicht ganz; nun aber ist es uns schon klar, daß sie darunter Niemanden als Dich verstanden; und dieses Erschrecklichste besteht sicher darinnen, daß Du in einer wundersam thörichten Einbildung es wohl am weitesten gebracht hast, da Du Dich, wie wir sehen, im Ernste für den allerersten Sohn des Allerhöchsten haltest, und auch Deine Brüder in solch einem Wahne bestärkest und zu erhalten suchest, und das eben ist das Erschrecklichste bei uns, so es sich Jemand beifallen läßt, seine schwächeren Brüder zu täuschen!

05] Wer stark ist, der verberge seine Stärke nicht, aber er mache sie auch nicht geltend an dem Schwachen; wer aber schwach ist, der scheine nicht als wäre er stark, sondern schwach, so wird die Kraft des Starken und die Schwäche des Schwachen zu Einer Stärke im Starken!

06] Beherziget diese Worte wohl, sie kommen euch nur aus dem Munde der nahe unmündigen Kinder dieser herrlichen Welt entgegen; kommet aber in unsere gastfreisten Wohnungen unserer Alten; dort solle euch ein viel kräftigeres Licht angezündet werden; es hindere euch nicht, daß ihr euch schon als vollkommen wähnet, und meinet, es würde uns schaden, so wir eure Brüste anrühreten!? O deß seid ganz unbesorgt!

07] Denn sehet, wir sind ja eben durch die rechte Weisheit schon jetzt als Kinder in unseren dießirdischen Leibern um sehr vieles rein geistiger, als ihr es je werdet; denn das Geistige liegt doch sicher nicht im Leibe, sondern im eigentlichen Geiste; der doch stets derselbe ist und bleibt, ob in einem gröberen oder feineren ätherischen Leibe!

08] Auch müßet ihr unsere Leiber nicht nach denen bemessen, die ihr auf eurem sogenannten heiligen Planeten getragen habet, die gröber, schwerer, finsterer und plumper waren, als die gröbsten Steine dieser Welt; denn ihr sehet es ja doch leicht selbst, daß da unsere Leiber schon beiweitem ätherischer und dem Lichte verwandter sind, als eure Geister, wie sie hier zu sehen sind, und die beiweitem größere Reinheit und rechte Ordnung in sich vereinen, weil sie von dem ihnen innewohnenden Geiste allzeit durchwirket werden?!

09] Daher ziehet nur voll ganz guter Dinge mit uns; in unseren Wohnungen sollet ihr sicher lauterer werden, als ihr es nun seid; aber alles dessen ungeachtet geschehe eurer Schwäche nicht der allerleiseste Zwang durch die überwiegende Stärke, die wir nicht also prunkend ausstecken, wie du, Freund Martin, es ehedem gethan hast, als du stark lächerlicher Weise von einer Kraft, trotzdem du der Schwächste wärest, an dir sprachst, mit der du unsere große Welt so etwa wie die zarte Knospe einer ätherischen Lichtstaubblume zwischen dem Daumen und Zeigfinger ganz leicht zerreiben könntest!

10] Findest du nun nicht selbst, daß du deine Kraft denn doch ein wenig zu hoch angeschlagen hast?! Aber es werde dir darum kein Vorwurf; denn du sprachst es in deinem blinden Eifer, und kanntest uns nicht; nun du uns aber hoffentlich besser kennest, da wirst du auch so was nimmer von uns denken, geschweige laut aussprechen.

11] Wir aber gehen nun voraus, und so ihr wollet, da folget uns, und seid versichert, daß ihr bei uns über alle Maßen freundlich aufgenommen werdet in unseren festen Häusern, die nicht wie dein himmlisches in einer fixirten Einbildung, sondern in der festesten Wirklichkeit bestehen, gebaut mit unserem Willen und mit unseren Händen!

12] Auf daß du, Martin, aber siehst, daß unsere Weisheit denn doch ein wenig weiter reicht, und wir dich besser kennen, und euch Alle, als du es meinest, so sollst du in der Wohnung unserer Alten ein Schauspiel finden, in dem du dich vom Uranfange bis zu diesem deinem Augenblicke ganz wiederfinden wirst.

13] Du wähnest nun wohl schon recht weit außer deinem hochhimmlischen Hause zu sein, und siehe, wir sind in diesem Augenblicke in selbem, und sehen alles genau, wie es in ihm zugeht, wie wir auch Zeuge waren, als du dem verkappten Drachen einen feurigsten Kuß verabreichen wolltest! Aber denke nun nicht über solche unsere Gesichtsstärke nach; denn zur rechten Zeit wirst du in der wahren Weisheit den Grund von alledem finden, so du uns folgen willst. Dein und euer Aller freier Wille geleite euch! Wir gehen nun voraus.

14] Auf diese längere Rede entfernten sich die Drei.

01] (Die drei Sonnentöchter:) »Wir nahmen wohl wahr, daß besonders dieser Bruder, den ihr 'Martin' nennt, einige sehr beachtenswerte Fünklein mystischer Weisheit besitzt, ähnlich der unserer Hochgebirgsweisen, die uns auch manchmal mit Dingen kommen, die, so wie ihre Wohnungen, über unserem Gesichts- und Erkenntniskreise liegen. Was aber nützt ihm und euch solch eine hohe Mystik, wenn euch die ersten Prinzipien der praktischen Lebensweisheit gänzlich ermangeln?

02] Diese aber bestehen in der gerechten Nachgiebigkeit gegen Schwache. Denn wo der Starke gegen den Schwachen stark sein will und ein Sieger über ihn, da ist alle Ordnung der Weisheit verloren. Denn jede Kraft muß den Sieg in ihrem klaren Bewußtsein finden und nie in der schmählichen Unterjochung dessen, der schon von weitem als der Schwächere erscheint.

03] Und so handelten auch wir, als wir euch als die bei weitem Schwächeren auf unserem Boden erschauten: wir taten, was ihr wolltet, um euch desto tiefer erforschen zu können. Wir haben nun genau erkannt, daß ihr sehr bedauerliche Wesen seid. Daher laden wir euch, trotzdem ihr Geister seid, auch ein, bei uns hier die rechte Weisheit zu erlernen, die euch vor allem nottut, wollt ihr mit der Zeit bessere Gedanken und Begriffe von dem allerhöchsten Geiste bekommen!

04] Wohl haben uns unsere reinen Geister aus den schwebenden Lichtgewässern verkündet, daß wir uns euch nicht widersetzen sollen, da in eurer Mitte sich der Erschrecklichste befinde; aber wir begriffen diesen Zuruf damals nicht ganz! Nun aber ist es uns klar, daß sie darunter niemanden als dich verstanden. Dieses Erschrecklichste besteht sicher darin, daß du in einer törichten Einbildung es wohl am weitesten gebracht hast, da du dich, wie wir sehen, im Ernste für den allerersten Sohn des Allerhöchsten hältst und auch deine Brüder in solch einem Wahne zu erhalten suchst. Und das eben ist das Schrecklichste bei uns, so sich jemand beifallen läßt, seine schwächeren Brüder zu täuschen!

05] Wer stark ist, der verberge seine Stärke nicht, aber mache sie auch nicht geltend an den Schwachen! Wer aber schwach ist, der scheine nicht, als wäre er stark, sondern schwach! So wird die Kraft des Starken und die Schwäche des Schwachen zu einer Stärke im Starken!

06] Beherzigt diese Worte wohl! Sie kommen nur aus dem Munde nahezu unmündiger Kinder dieser herrlichen Welt. Kommt aber in die gastfreien Wohnungen unserer Alten, dort soll euch ein viel kräftigeres Licht angezündet werden. Es hindere euch nicht, daß ihr euch schon als vollkommen wähnt und meint, es würde uns schaden, so wir eure Brüste anrührten! Oh, des seid ganz unbesorgt!

07] Denn seht, wir sind ja eben durch die rechte Weisheit schon jetzt als Kinder in diesirdischen Leibern um sehr vieles reingeistiger, als ihr es je werdet. Das Geistige liegt doch sicher nicht im Leibe, sondern im eigentlichen Geiste, der doch stets derselbe ist und bleibt, ob in einem gröberen oder feineren ätherischen Leibe.


08] Auch müßt ihr unsere Leiber nicht nach denen bemessen, die ihr auf eurem sogenannten Heiligen Planeten getragen habt, die gröber, schwerer, finsterer und plumper waren als die gröbsten Steine dieser Welt. Ihr seht ja doch selbst, daß da unsere Leiber schon bei weitem ätherischer und dem Lichte verwandter sind als eure Geister, wie sie hier zu sehen sind. Sie vereinen bei weitem größere Reinheit und rechte Ordnung in sich, weil sie von dem ihnen innewohnenden Geiste allzeit durchwirkt werden.

09] Daher zieht nur ganz voll guter Dinge mit uns! In unseren Wohnungen sollt ihr sicher lauterer werden, als ihr nun seid. Aber dessenungeachtet geschehe eurer Schwäche nicht der leiseste Zwang durch die überwiegende Stärke, die wir nicht also prunkend ausstecken wie du, Freund Martin: ehedem, als du lächerlicherweise von einer Kraft - trotzdem du der Schwächste wärest - an dir sprachst, mit der du unsere große Welt etwa wie die zarte Knospe einer ätherischen Lichtstaubblume zwischen Daumen und Zeigefinger leicht zerreiben könntest!


10] Findest du nun nicht selbst, daß du deine Kraft denn doch ein wenig zu hoch angeschlagen hast? Aber es werde dir darum kein Vorwurf, denn du sprachst in deinem blinden Eifer und kanntest uns nicht. Nun du uns aber hoffentlich besser kennst, wirst du auch so etwas nimmer von uns denken, geschweige laut aussprechen.

11] Wir aber gehen nun voraus, und so ihr wollt, da folgt uns! Seid versichert, daß ihr bei uns über alle Maßen freundlich aufgenommen werdet in unseren festen Häusern, die nicht wie dein himmlisches in einer fixierten Einbildung, sondern in festester Wirklichkeit bestehen, gebaut mit unserem Willen und mit unseren Händen! -


12] Auf daß du, Martin, aber siehst, daß unsere Weisheit denn doch ein wenig weiter reicht und wir dich besser kennen und euch alle, als du es meinst, so sollst du in der Wohnung unserer Alten ein Schauspiel finden, in dem du dich vom Uranfang bis zu diesem deinem Augenblicke ganz wiederfinden wirst!

13] Du wähnst nun wohl, schon recht weit außer deinem hochhimmlischen Hause zu sein? Siehe, wir sind in diesem Augenblicke in selbem und sehen alles genau, wie es in ihm zugeht. So waren wir auch Zeugen, als du dem verkappten Drachen einen feurigsten Kuß verabreichen wolltest! Aber denke nun nicht über unsere Gesichtsstärke nach, denn zur rechten Zeit wirst du in der wahren Weisheit den Grund von alledem finden! Dein und euer aller freier Wille geleite euch! Wir gehen nun voraus!«

14] Auf diese längere Rede entfernen sich die drei.

voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel