Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

99. Kapitel: Martin in Verlegenheit durch Chanchahs wißbegierige Fragen.

Originaltext 1. Auflage 1896 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 3. Auflage 1960 Lorber-Verlag

01] Spricht Chanchah: „O ja, o ja, ich verstehe alles, was du sagst; aber weil du nun so eben von des großen Lama leisestem Winke geredet hast, den du ohne ein Wunder alsogleich verstehst, so sage mir dann, wie der große Lama dir und deinen Brüdern winkt, daß ihr dann Seinen sogar allerleisesten Wink sogleich wahrnehmet, und dann auch sicher alsogleich befolget. Ihr müsset also den großen Lama ja auch sehen, ansonst Er euch doch unmöglich winken könnte; oder doch wenigstens hören und also Seine Winke vernehmen?! Sehet, oder höret ihr Ihn, o da sage es mir, wie ihr Ihn sehet oder höret?! auf daß ich mir von Ihm doch irgend eine Vorstellung machen kann!?"

02] Spricht Martin etwas verlegen: „O meine allerliebste holdeste Chanchah! siehe, das ist eine sehr kitzliche Frage! wenn ich sie dir auch beantworte, so wirst du sie doch sicher nicht verstehen. Daher wäre es nun fast besser, so du mir die Antwort auf diese deine Frage erlassen möchtest, da sie für diesen Augenblick weder mir noch dir nützen kann."

03] Spricht Chanchah: „O Freund! das Handeln um den Preis eines Guts kann wohl bei euch zu Hause sein; uns Chinesen aber ist so etwas fremd! Jede Waare, die wir feil bieten, hat ihren bestimmten festgesetzten Preis; wer sie feil bietet, der muß sie auch verkaufen, und davon dem Kaiser den Verkaufszins geben; verkauft der Feilbieter die Waare nicht, so ist das ein Beweis, daß er sie zu hoch geschätzet hat und Wucher treiben wollte, wofür er dann auch der bestimmten Züchtigung nicht entgeht!

04] Also muß auch Jedermann beim Reden sich sehr zusammennehmen, und ja nichts sagen zur Hälfte, und die andere Hälfte schuldig bleiben, entweder aus Furcht oder Unkenntniß; denn für beides wird er gezüchtiget, da es eines Menschen unwürdig ist, entweder sich zu fürchten, wo keine Furcht von nöthen ist, oder gar aus sich mehr machen zu wollen, als man ist.

05] Siehe, ich bin eine strenge Chinesin, und erlasse dir nichts, was du mir durch deiner Rede Gang gewisserart verheißen hast; denn wer bei uns durch seiner Rede Gang Jemanden zu einer Frage Anlaß gibt, der muß die Frage auch beantworten, sonst ist er mit seiner ganzen Rede entweder ein Prahler, so viel als ein Lügner; oder er ist ein unfähiger Feigling, und kennet das selbst nicht durchaus, von dem er geredet hat! Willst du von mir nicht für Eins oder das Andere gehalten sein, da gebe mir eine volle Antwort auf meine Frage, und das ohne allen Vorenthalt!"

06] B. Martin ist nun sehr verlegen, und weiß nicht was er thun solle? denn gibt er ihr die rechte Antwort, da muß er Mich verrathen vor der rechten Weile; und antwortet er nicht, so erklärt sie ihn vor allen Gästen als einen Lügner, oder als einen Dummkopf und Feigling, was ihm auch nicht angemessen wäre, da er sich so ganz heimlich als Hausherr etwas zu gute dünkt! er geht daher zu Mir und fragt Mich, was er nun in dieser seiner Lage thun solle?

01] Spricht Chanchah: »O ja, ich verstehe alles, was du sagst! Aber weil du soeben von des großen Lama leisestem Winke geredet hast, den du ohne ein Wunder alsogleich verstehst: sage mir dann, wie der große Lama dir und deinen Brüdern winkt, daß ihr Seinen sogar allerleisesten Wink sogleich wahrnehmt und dann sicher sogleich befolgt! Ihr müßt also den großen Lama ja sehen, sonst könnte Er euch doch unmöglich winken - oder doch wenigstens hören und so Seine Winke vernehmen?! Seht oder hört ihr Ihn, da sage mir, wie ihr Ihn seht oder hört, daß ich mir von Ihm doch irgendeine Vorstellung machen kann!«


02] Spricht Martin, etwas verlegen: »O meine allerliebste, holdeste Chanchah, das ist eine sehr kitzlige Frage! Wenn ich sie dir auch beantworte, so wirst du sie doch sicher nicht verstehen. Daher wäre es fast besser, so du mir die Antwort auf diese Frage erlassen möchtest, da sie für diesen Augenblirk weder mir noch dir nützen kann!«

03] Spricht Chanchah: »O Freund, das Handeln um den Preis eines Gutes kann wohl bei euch zu Hause sein; uns Chinesen aber ist so etwas fremd. Jede Ware, die wir feilbieten, hat ihren bestimmten festgesetzten Preis. Wer sie feilbietet, der muß sie auch verkaufen und davon dem Kaiser den Verkaufszins geben. Verkauft der Feilbieter die Ware nicht, ist das ein Beweis, daß er sie zu hoch geschätzt hat und Wucher treiben wollte, wofür er dann auch der bestimmten Züchtigung nicht entgeht.

04] Ebenso muß auch jedermann beim Reden sich sehr zusammennehmen und ja nichts sagen zur Hälfte und die andere Hälfte schuldig bleiben, entweder aus Furcht oder Unkenntnis. Denn für beides wird er gezüchtigt, da es eines Menschen unwürdig ist, entweder sich zu fürchten, wo keine Furcht vonnöten ist, oder gar aus sich mehr machen zu wollen, als man ist.

05] Siehe, ich bin eine strenge Chinesin und erlasse dir nichts, was du mir durch deiner Rede Gang gewisserart verheißen hast! Denn wer bei uns durch seiner Rede Gang jemandem zu einer Frage Anlaß gibt, der muß die Frage auch beantworten. Sonst ist er mit seiner ganzen Rede entweder ein Prahler - soviel wie ein Lügner -, oder er ist ein unfähiger Feigling und kennt das selbst nicht durchaus, von dem er geredet hat. Willst du von mir nicht für eins oder das andere gehalten sein, da gib mir eine volle Antwort auf meine Frage, und das ohne allen Vorenthalt!«

06] Bischof Martin ist nun sehr verlegen und weiß nicht, was er tun soll. Denn gibt er ihr die rechte Antwort, da muß er Mich verraten vor der rechten Weile. Antwortet er aber nicht, erklärt sie ihn vor allen Gästen für einen Lügner oder einen Dummkopf und Feigling, was ihm auch nicht angenehm wäre, da er sich so ganz heimlich als Hausherr etwas zugute dünkt. Er geht daher zu Mir und fragt Mich, was er nun in dieser Lage tun solle.

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