Jakob Lorber: 'Briefwechsel zwischen Jesus und König Abgarus Ukkama von Edessa'


Über die Echtheit des Inhaltes und die Geschichtlichkeit des Briefwechsels (gekürzte Wiedergabe des Vorwortes des Lorber-Verlags)

   Zu den frühchristlichen, 'apokryphen' (kirchlich nicht offiziell anerkannten) Dokumenten zählt der Briefwechsel zwischen Jesus und Abgar Ukkama, dem Fürsten von Edessa... Es steht geschichtlich fest, daß ein König namens Abgar V. Ukkama als 15. König das Königreich Osrhoene regiert hat. Und zwar leitete er nach der Chronik der Edessa zweimal die Geschicke seines Landes als Landesfürst: zunächst vom Jahre 4 vor Christus bis zum Jahre 7 nach Christus, und zum zweiten Male vom Jahr 13 nach Christus bis 50 nach Christus (Vgl. Gutschmid, Untersuchungen über die Geschichte des Königreiches Osrhoene. Mem. der Akademie von St. Petersburg. - Dict. Theol. Cath. Bd. I. Spalte 67. Stichwort "Abgar" v. J. Parisot.)
   ... Des Königs Beiname war Ukkama, oder besser ukhama, d. h. der "Schwarze". Im Griechischen wurde daraus Ouchama oder Ouchaniäs. (Vgl. Assemani, Bibliotheca orientalis. Rom, 1719. Bd. I. Spalte 420.)
   Die Geschichtlichkeit des Briefwechsels zwischen Christus und König Abgar wird von den meisten kirchlichen Schriftstellern als unhaltbar abgelehnt. So z. B. schreibt Edgar Hennecke in "Neutestamentliche Apokryphen", 2. Auflage, Tübingen, Mohr, 1924, Seite 2: "Jesus selbst hat keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Erst eine Lokallegende des 3. Jahrhunderts hatte einen Briefwechsel zustandegebracht, in dem der Heiland als Verfasser auftritt. Diese Behauptung kann sich berufen auf das sogenannte Decretum Gelasianum, das der fränkischen Kirche entstammt und eine Liste der 'aufzunehmenden und nicht aufzunehmenden Bücher' enthält. Das Decretum ordnet den Briefwechsel ein in die Liste der nicht aufzunehmenden apokryphen Bücher. Diese Ablehnung gründet sehr wahrscheinlich auf der Ansicht des Kirchenlehrers Augustinus, echte Jesusbriefe gebe es nicht. (Vgl. Augustinus, Contra Faust. 28,4; De Consensu evangelistarum I,7,11.)
   ... In der syrischen Kirche galt die Tradition vom Briefwechsel Jesu mit Abgar als eine unbestreitbare Tatsache. Dokumente aus frühchristlicher Zeit berichten davon. Die syrische Liturgie erwähnt den Briefwechsel als eine geschichtliche Gegebenheit. Die "Doctrina Addai", wahrscheinlich aus dem 4. Jahrhundert, übernimmt die alte Tradition und weitet sie aus. Bemerkenswert ist auch, daß es in Edessa bereits vor dem Jahre 170 eine bedeutende Christengemeinde gab. Es müssen also dorthin bereits sehr früh christliche Glaubensboten gekommen sein, die dort offene Herzen für die Lehre Jesu Christi fanden. (Vgl. Bibliotheca Orientalis. Bd. I. Spalte 393; sowie: Dict. Thel. Cath. Bd. I. Spalten 68-72.) - Rubens Duval weist auch in seiner "Histoire politique, religieuse et litteraire d'Edesse (Extrait du Journal asiatique, Paris, 1892, Seite 81) darauf hin, daß die alte Tradition vom Briefwechsel Jesu mit Abgar stets ein weites Echo im Orient gefunden hat.
   Der hervorragendste Zeuge für die Echtheit des Briefwechsels Jesu mit Abgar ist jedoch Eusebius von Cäsarea (gest. 339)... Eusebius gilt als der große Geschichtsschreiber des christlichen Altertums... Sein Hauptwerk ist seine zehn Bücher zählende Kirchengeschichte von der Gründung der Kirche bis zum Siege Konstantins über Licinus (324)... Die Kirchengeschichte wurde wohl noch im 4. Jahrhundert ins Syrische und danach später ins Armenische übersetzt. 403 fertigte Rufinus eine lateinische Übersetzung an und führte die Darstellung bis 395 fort." (Berthold Altaner, Patrologie. Freiburg i. Br., Herder, 1938. Seite 141-143.)
   Dieser hervorragende Geschichtskenner Eusebius von Cäsarea ... gibt einen eingehenden Bericht über den Briefwechsel Jesu mit König Abgar. Eusebius schreibt am Ende des I. Buches seiner Kirchengeschichte (Migne, Patrologia Graeca 20, 121-124. 136. 137.), er habe diesen Briefwechsel in den Archiven der Stadt Edessa gefunden. In dieser königlichen Urkundensammlung seien die geschichtlichen Schriftstücke über die Ereignisse der Stadt Edessa und über die Regierungszeit des Königs Abgar aufbewahrt. Er habe mit großer Sorgfalt den Briefwechsel Jesu mit Abgars aus dem Syrischen ins Griechische übertragen.
   Diesem Bericht läßt Eusebius die Übersetzung der zwei ersten Briefe folgen (die nachfolgend aufgeführt sind, d. Vf.)... Eusebius fügt den beiden Briefen einen Bericht über die Missionstätigkeit eines Thaddäus (oder Addäus) bei, der einer der 12 Jünger Jesu gewesen sei, und vom Apostel Judas oder Thomas nach Edessa gesandt worden sei, um dort das Evangelium zu verkünden. Dieser Thaddäus habe den König Abgar in der Lehre Christi unterrichtet, ihn geheilt, und dann das Evangelium mit solcher Macht verkündet, daß ein großer Teil des Volkes sich bekehrt habe.
   Diese Einzelheiten sind auch berichtet in der sogenannten Doctrina Addai. Diese in syrischer Sprache verfaßte Schrift enthält auch die beiden ersten Briefe Abgars und Jesu; fügt aber noch den Bericht einer Überlieferung hinzu, nach der ein Bote Abgars für seinen König ein Bild Jesu verfertigt habe.
   ... Leider sind die alten Schriftstücke des königlichen Archivs von Edessa, vielleicht durch Kriegseinwirkungen, verloren gegangen.

   Nun ist... der gesamte Briefwechsel Jesu mit Abgar dem 'Schreibknecht' Gottes, Jakob Lorber, durch das 'Innere Wort' diktiert worden... Die beiden nachfolgenden ersten Briefe sind keine Übersetzung eines vorhandenen Textes, sei es in syrischer, in griechischer oder in lateinischer Sprache. Der (an Lorber) diktierte deutsche Text erweist sich als ein ursprüngliches Schriftwerk, das mit den übrigen, verlorengegangenen, - durch das Diktat des Herrn an Lorber aber wieder vorliegenden, - Briefen ein Ganzes bildet.... Der Text der diktierten Briefe stimmt mit dem griechischen Text der Briefe nach Eusebius am genauesten überein. Der Text der "Doctrina Addai" weist dagegen ergänzende Satzteile auf.

   Der Inhalt des Briefwechsels ist wie ein Evangelium in kürzester Form. Die Briefe Jesu enthalten die wichtigsten Lehren Seiner Heilsbotschaft und eine geniale kurze Darlegung unserer Erlösung durch Seinen Opfertod.

Hand nach rechts Historische Berichte über diesen Briefwechsel (engl.)


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