Jakob Lorber: 'Die drei Tage des 12-jährigen Jesus im Tempel'

Text revidiert nach 1. Auflage 1861


18. Kapitel: Jesu Erzählung von den Wundern der 27 Magier in Damaskus. Barnabes Verlegenheit und Erstaunen. Vom Geheimnis der Allwissenheit Jesu.

   01] (Der Jesusknabe:) ”Es werden nun genau zwei Jahre sein, als du dich in Damaskus herumtriebst? - In derselben Zeit kamen bei 27 Magier aus Indien. Diese machten große Ankündigungen, wie am dritten Tage nach dem Neumond sie die großartigsten Wunder im großen Hain außerhalb der Stadt wirken werden.
   02] Unter den vielen Ankündigungen waren auch folgende: ”Fünf der Hauptmagier werden, bloß mit ihren kleinen Fingern ohne alle physische Kraftanstrengung, einen über 1000Pfund schweren und über 7 Schuh tief in die Erde, also über seine halbe Länge - eingegrabenen Pfahl herausziehen und ihn dann frei mehrere Augenblicke dauernd in der Luft herumschweben lassen. Dasselbe werden sie dann auch an einem über 10 000 Pfund schweren Felsstücke tun, einer Last, die von 300 der stärksten Männer mit der Kraft ihrer puren Hände nicht um ein Haarbreit verrückt werden kann! - Am Ende wird noch ein vollkommen totes Kamel auf einige Augenblicke lang belebt. “
   03] Auf diese Ankündigung war an dem bestimmten Tage beinahe ganz Damaskus im großen Haine, um die angekündigte Wundertäterei anzustaunen. Du warst einer der ersten in der Nähe der Zauberer, und hast alles sehr gut gesehen und dich erstaunt über alle die Maßen.
   04] Die vielen vorhergehenden Stücke waren dir schon mehr bekannt; aber als die letzten mit der überraschendsten Präzision ausgeführt wurden, da rissest du Mund und Augen weit auf, schlugst die Hände über dem Kopfe zusammen und riefst laut aus: ”Das ist unerhört - noch nie dagewesen! - Das können keine Menschen, - sondern - das können nur Götter sein, die man anbeten soll!“
   05] Du hast freilich deine Exklamation (Ausruf, d. Ed.) mehr der vielen hochangesehenen Heiden wegen gemacht, die bei jener Vorstellung stark vertreten waren; heimlich bei dir aber hast du dennoch des Beelzebubs gedacht, darum dir auch sehr unheimlich zumute geworden ist.
   06] Nun sagst du aber auch, dass dir bei Meinen Wundern sehr unheimlich zumute wird!? - Welchen Unterschied findest du dann zwischen diesen Meinen Wundern und jenen von dir vor zwei Jahren in Damaskus gesehenen?!“
   07] Hier wurde Barnabe sehr verlegen und sagte erst nach einer Weile: ”Aber sage, du holder unbegreiflicher Knabe! - woher du das wissen kannst?! Du warst doch zu jener Zeit nicht selbst in jener Stadt, und mir wohl bewußt sonst auch niemand aus dieser Gegend! - Außer einigen wenigen Kollegen im Tempel habe ich jene sonderbare Wunderwirkung auch noch niemandem erzählt. - Wie kamst du nun hinter mein tief verborgenes Erfahrungsgeheimnis?!“
   08] Sagte Ich: ”Sei darob ganz ruhig, Ich komme hinter gar alles; aber es wird darum von Mir aus dennoch nie jemandem ein Hemmschuh angelegt, sondern ein jeder ist und bleibt frei, zu handeln nach dem Gesetze oder gegen dasselbe. Die Folgen hängen nie von der Macht Meines Willens, sondern von der Ordnung und Heiligung der gegebenen Gesetze in der Natur sowohl wie auch in der Moralsphäre der Menschen untereinander ab.
   09] Das aber, wie und woher Ich solches alles wissen kann, ist auch ein Geheimnis, darüber der Welt erst nach etlich zwanzig Jahren ein Licht gegeben wird, so wie auch über Meine anderen Wundertaten. - Glaubtet ihr, dass in Mir des Messias Geist wohnt in seiner Fülle, da dürftet ihr bald begreifen, wie und woher Mir solche noch nie dagewesenen Fähigkeiten eigen sind. So ihr aber das nicht annehmen und glauben könnt, da müßt ihr schon der vorhin bestimmten Zeit harren. - Da werdet ihr es wohl begreifen, aber Mir es doch nie nachmachen.147;


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