Jakob Lorber: 'Die drei Tage des 12-jährigen Jesus im Tempel'

18. Kapitel: Jesu Erzählung von den Wundern der 27 Magier in Damaskus. Barnabes Verlegenheit und Erstaunen. Vom Geheimnis der Allwissenheit Jesu.

Originaltext 1. Auflage 1861 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 8. Auflage 1975 Lorber-Verlag

01] "Es werden nun genau 2 Jahre sein, als du dich in Dhamascuz herumtriebst? - In derselben Zeit kamen bei 27 Magier aus Indien. Diese machten große Ankündigungen, wie am dritten Tage nach dem Neumonde sie die großartigsten Wunder im großen Haine außer der Stadt wirken werden;

02] Unter den vielen Ankündigungen waren auch folgende: Fünf der Hauptmagier werden bloß mit ihren kleinen Fingern ohne alle physische Kraftanstrengnng einen über 1000 Pfund schweren und über 7 Schuh tief in die Erde, also über seine halbe Länge, - eingegrabenen Pfahl herausziehen, und ihn dann frei mehrere Augenblicke dauernd in der Luft herumschweben lassen. Dasselbe werden sie dann auch an einem über 10.000 Pfund schweren Felsstücke thun, eine Last, die von 300 der stärksten Männer mit der Kraft ihrer puren Hände nicht um ein Haar breit verrückt werden kann! - Am Ende wird noch ein vollkommen todtes Kameel auf einige Augenblicke lang belebet.


03] Auf diese Ankündigung war an dem bestimmten Tage nahe ganz Dhamascuz im großen Haine, um die angekündigte Wunderthäterei anzustaunen. Du warst Einer der Ersten in der Nähe der Zauberer, und hast Alles sehr gut gesehen, und dich erstaunt über alle die Maßen.

04] Die vielen vorhergehenden Stücke waren dir schon mehr bekannt; aber als die letzten mit der überraschendsten Präcislon effectuirt wurden, da rissest du Mund und Augen weit auf, schlugst die Hände über dem Kopfe zusammen, und riefest laut aus: das ist unerhört, - noch nie dagewesen! - Das können keine Menschen, - sondern - das können nur Götter sein, die man anbeten solle!

05] Du hast freilich solche deine Exclamation mehr der vielen hoch angesehenen Heiden wegen gemacht, die bei jener Vorstellung stark vertreten waren; heimlich bei dir aber hast du dennoch Beelzebub's gedacht, darum dir auch sehr unheimlich zu Muthe geworden ist.

06] Nun sagst du aber auch, daß dir bei Meinen Wundern sehr unheimlich zu Muthe wird!? - Was Unterschiedes findest du dann zwischen diesen Meinen Wundern und jenen von dir vor zwei Jahren in Dhamascuz gesehenen?!"

07] Hier wird Barnabe sehr verlegen, und sagte erst nach einer Weile: "Aber sage du holder unbegreiflicher Knabe! - woher du das wissen kannst?! Du warst doch zu jener Zeit nicht selbst in jener Stadt, und mir wohl bewußt sonst auch Niemand aus dieser Gegend! - Außer einigen wenigen Collegen im Tempel habe ich jene sonderbare Wunderwirkung auch noch Niemanden erzählt; - wie kamst du nun hinter mein tief verborgenes Erfahrungsgeheimniß?!"

08] Sagte Ich: "Sei darob ganz ruhig, Ich komme hinter gar Alles; aber es wird darum von Mir aus dennoch nie Jemandem ein Hemmschuh angelegt, sondern ein Jeder ist und bleibt frei zu handeln nach dem Gesetze oder wider dasselbe. Die Folgen hängen nie von der Macht Meines Willens, sondern von der Ordnung und Heiligung der gegebenen Gesetze in der Natur sowohl, wie auch in der Moralsphäre der Menschen unter einander ab.

09] Das aber, wie und woher Ich solches Alles wissen kann, ist auch ein Geheimnis, darüber der Welt erst nach etlich 20 Jahren ein Licht gegeben wird, so wie auch über Meine andern Wunderthaten. - Glaubtet ihr, daß in Mir des Messias Geist wohnet in seiner Fülle, da dürftet ihr bald begreifen, wie und woher Mir solche noch nie dagewesene Fähigkeiten eigen sind, so ihr aber das nicht annehmen und glauben könnet, da müsset ihr schon der vorhin bestimmten Zeit harren. - Da werdet ihr es wohl begreifen, aber Mir es doch nie nachmachen."

01] (Der Jesusknabe:) "Es werden nun genau zwei Jahre sein, als du dich in Damaskus herumtriebst?! In derselben Zeit kamen bei 27 Magier aus Indien. Diese machten große Ankündigungen, wie am dritten Tage nach dem Neumond sie die großartigsten Wunder im großen Haine außerhalb der Stadt wirken würden.

02] Unter den vielen Ankündigungen waren auch folgende: "Fünf der Hauptmagier werden, bloß mit ihren kleinen Fingern ohne alle physische Kraftanstrengung, einen über 1000Pfund schweren und über 7 Schuh tief in die Erde - also übet seine halbe Länge - eingegrabenen Pfahl herausziehen und ihn dann frei mehrere Augenblicke dauernd in der Luft herumschweben lassen. Dasselbe werden sie dann auch an einem über 10 000 Pfund schweren Felsstücke tun, einer Last, die von 300 der stärksten Männer mit der Kraft ihrer puren Hände nicht um ein Haarbreit verrückt werden kann. Am Ende wird noch ein totes Kamel auf einige Augenblicke lang vollkommen lebend gemacht, und zum Schlusse wird sogar eine Bildsäule auf mehrere Augenblicke lang belebt."

03] Auf diese Ankündigung war an dem bestimmten Tage beinahe ganz Damaskus im großen Haine zugegen, um die angekündigte Wundertäterei anzustaunen. Du warst einer der ersten in der Nähe der Zauberer, und hast alles sehr gut gesehen und dich erstaunt über alle Maßen.

04] Die vielen vorhergehenden Stücke waren dir schon mehr bekannt, aber als die letzten mit der überraschendsten Präzision ausgeführt wurden, da rissest du Mund und Augen weit auf, schlugst die Hände über dem Kopfe zusammen und riefst laut aus: "Das ist unerhört - noch nie dagewesen! Das können keine Menschen, sondern das können nur Götter sein, die man anbeten soll!"

05] Du hast freilich deine Exklamation (Ausruf) mehr der vielen hochangesehenen Heiden wegen gemacht, die bei jener Vorstellung stark vertreten waren; heimlich bei dir aber hast du dennoch des Beelzebubs gedacht, darum dir auch sehr unheimlich zumute geworden ist!

06] Nun sagst du aber auch, daß dir bei Meinen Wundern sehr unheimlich zumute wird! - Was Unterschiedes findest du dann zwischen diesen Meinen Wundern und jenen von dir vor zwei Jahren in Damaskus gesehenen?"


07] Hier wurde Barnabe sehr verlegen und sagte erst nach einer Weile: "Aber sage, du holder unbegreiflicher Knabe, woher du das wissen kannst?! Du warst doch zu jener Zeit nicht selbst in jener Stadt und mir wohl bewußt sonst auch niemand aus deiner Gegend! Außer einigen wenigen Kollegen im Tempel habe ich jene sonderbare Wunderwirkerei auch noch niemandem erzählt. Wie kamst du nun hinter mein tief verborgenes Erfahrungsgeheimnis?"

08] Sagte Ich: "Sei darob ganz ruhig - Ich komme hinter gar alles, aber es wird darum von Mir aus dennoch nie jemandem ein Hemmschuh angelegt, sondern ein jeder ist und bleibt frei, zu handeln nach dem Gesetze oder wider dasselbe. Die Folgen hängen nie von der Macht Meines Willens, sondern von der Ordnung und Heiligung der gegebenen Gesetze in der Natur sowohl wie auch in der Moralsphäre der Menschen untereinander ab.

09] Das aber, wie und woher Ich solches alles wissen kann, ist auch ein Geheimnis, darüber der Welt erst nach etlichen zwanzig Jahren ein Licht gegeben wird, so wie auch über Meine anderen Wundertaten. Glaubtet ihr daß in Mir des Messias Geist wohnt in seiner Fülle, da dürftet ihr bald begreifen, wie und woher Mir solche noch nie dagewesenen Fähigkeiten eigen sind. So ihr aber das nicht annehmen und glauben könnet, da müßt ihr schon der vorhin bestimmten Zeit harren! Dann werdet ihr es wohl begreifen, aber Mir es doch nie nachmachen!"

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