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Kapitelinhalt 19. Kapitel: Fortsetzung der Rede Jesu über den Gehorsam. Beispiele aus verschiedenen Reichen der Naturwelt.

   01] Rede Ich weiter: "Stelle dir vor, daß alle Weltkörper mit der für ihre Bestimmung nötigen Intelligenz und freien Einsicht ausgestattet sind. Siehe, diese großen und sehr kräftigen Körper schweben alle im für deine bisherigen Begriffe sicher freiesten Ätherraume. Warum sind sie denn so eigensinnig und bewegen sich seit vielen Jahrtausenden stets in gleichen Kreisen um eine bestimmte Sonne, die sie gewisserart um keinen Preis verlassen wollen oder mögen?
   02] "Gewiß ist manche ihrer Umlaufszeiten für sie schlimmer als manche andere, was schon die guten und schlechten Jahre eines Planeten so ziemlich handgreiflich zu beweisen scheinen; besonders in solchen Perioden, wo es auf dem Sonnenkörper manchmal etwas stürmischer zugeht, als es sonst gewöhnlich der Fall ist! Ich will von einer einzigen (schwierigen) Umlaufszeit als Davonlaufs-Grund für einen gequälten Planeten aber gar nichts Erhebliches anführen. Denn solch ein Körper, wie da ein Planet ist, kann sich schon so einen kurzen Puff von Seite der Sonne gefallenlassen. Aber es geschehen oft für einen Weltkörper mehrere solch qualvoller Umläufe ununterbrochen (freilich hie und da örtlich mehr oder minder).
   03] "Wenn dann so ein großer Wanderer durch den freien Ätherraum nach manchmal zehn und mehr, von seiner Sonne wie stiefmütterlich behandelten, immer gleich fleißigen Umläufen am Ende doch (der sache) überdrüssig würde, sich ernstlich vornähme, die ihn regierende Sonne zu verlassen und dann so einen absoluten Freischwärmer durch den endlosen Weltenraum machen möchte,
was würde wohl von solch einer planetarischen, nach der absolutesten Freiheit schwindelnden Idee die unvermeidlichste Folge sein?    04] "Siehe, zuerst ein völliges Erstarren ob des nur zu bald eingtretenen Licht- und somit auch Wärmemangels; daraus notwendig ein völliges inneres Entzünden, ob des zu mächtigen Druckes von außen nach innen; und endlich eine dadurch bewirkte völlige Auflösung aller Teile des Planeten, und mit dieser aber auch dessen Vollkommener Tod!
   05] "Die Planeten aber fühlen das in ihrem Innersten. Ihr Dasein ist ihnen das höchste fühlbare Bedürfnis. Und so bleiben sie gleichfort unter dem Regimente ihrer über sie gesetzten Sonne, bleiben in Hinsicht ihrer Bewegung stets in der unverrückbarsten Ordnung und machen sich nichts daraus, ob sie bei mancher Umlaufszeit von ihrer sie beherrschenden Sonne karger gehalten werden als irgend andere Male.
   06] "Aber da könnte doch mancher dir gleichgesinnte Planetenfreund ganz unpathetisch sagen: »Ich lobe mir wohl solche willige und gehorsame Planeten; aber so eine launenvolle Sonne, als den notwendigen Regenten der armen Planeten, möchte ich denn doch, so ich der Schöpfer wäre, aus die gehörige Art züchtigen für ihre Regentenlaunen!«
   07] "Aber da steht die Sonne auf und spricht: »Was faselst du kurzsichtiger Kosmopolit!? - Siehst du denn nicht, daß ich nicht nur einen, sondern gar viele größere und kleinere Planeten zugleich zu übersehen und zu versorgen habe? Weißt du denn nicht, daß ihre Bahnen ungleich sind, daß mir manchmal die großen wie die kleinen Planeten näher, manchmal ferner zu stehen kommen; daß sie sich manchmal (in größerer Zahl) gerade auf der einen Seite befinden und mich gar sehr in Anspruch nehmen, und daher irgendein einzelner Planet, besonders so er sich auf einem entgegengesetzten Standpunkte befindet, an meinen sonst reichen Gaben notwendig etwas karger zu Teile kommt!? - Wird ein solcher Planet aber auf einer Umlaufszeit auch notwendig etwas karger beteilt, so bekommt er aber dennoch immer so viel, daß er bestehen kann. Und ich kann es seit Trillionen von eigenen Wanderungen um eine andere noch größere Regentensonne bezeugen, daß darum noch nie ein Planet, so er sich an meine Ordnung angeschlossen hatte, verhungert und zugrunde gegangen ist! Wenn aber frei umherschweifende Kometen, denen ihre Freiwandlerschaft lieber ist als meine feste Ordnung, irgendwo im endlosen Raume, in den sie ihre wahnwitzige, absolute Freiheitslust getrieben hat, zugrunde gehen, dafür kann wohl ich nicht. Denn einem Wesen, das sich rein nur selbst bestimmen will, ohne von einer andern und mächtigeren Leitung abhängen zu wollen, geschieht kein Unrecht; es hat sich ja selbst gerichtet! So du, freisinnigster Kosmopolit, mich als die Planetenregentin aber schon durchaus wegen meines notwendig veränderlichen Verhaltens gegen die mir untergeordneten Planeten gestraft haben willst, da nehme mir mein Licht und meinen Glanz und auch meine Größe und Macht! Sieh aber dann zu, wie die nach deiner Meinung von mir so sehr gedrückten und an den Sklavenktten gehaltenen Planeten ohne mich bestehen und fortkommen werden!~
   08] "Siehe, Freund, so spricht sich die ganz natürliche Ordnung schon bei den ersten, größten, stärksten und freien Weltkörpern aus, ohne welche kein Planet als bestandfähig gedacht werden könnte! - So aber diese ganz freischwebenden, großen Wesen eines Leiters bedürfen, um wieviel mehr jene, dem Körper nach kleinen und in ihrer Bewegung schon durch allerlei Verhältnisse mehr gebundenen und behinderten Wesen, als da sind die Tiere und besonders die mit einem ganz vollkommen freien Geiste begabten Menschen!
   09] "Tiere ein und derselben Art haben (in der Regel) eines unter ihnen, das gewisserart ihr Leiter und Führer ist, wenn dieser sich rührt, dann sind alle wie durch einen elektrischen Schlag zur gleichen Bewegung angefacht. Siehe eine Rinderherde an, sie hat einen Leiter unter sich! Der Hirte, der solches aus Erfahrung weiß und auch bald merkt, welchem Stücke aus seiner Herde die andern nachgehen, hängt solchem Tiere eine Schelle an den Hals. Und so er abends die Herde heimführen will, da horcht er bloß, wo die Schelle läutet. Wo er sie vernimmt, da begibt er sich auch hin und findet seine ganze Herde daselbst versammelt. Will er sie heimführen, dann braucht er bloß den beschellten Leiter zu führen, so gehen alle anderen von selbst, wohin der Leiter geht. Der gleiche Fall ist sogar mit den sehr dummen Schweinen, besonders wo sie ständig in der freien Natur leben; ebenso bei den Ziegen, Schafen, Pferden, Eseln und hundert anderen Tiergattungen! Das gleiche kannst du nur zu sprechend sogar an den verschiedenartigsten Insekten entdecken, an den Vögeln und nicht minder anden stumpfsinnigen Fischen und anderartigen Wassertieren.
   10] "Aber Ich will dir die Sache ganz zeigen und will dich sogar auf die noch viel stummer scheinende Natur leiten.


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