voriges Kapitel Jakob Lorber: 'Paulusbrief an die Laodizener' - Revidiert nach 1. Aufl. 1851

3. Kapitel: Paulus fordert dazu auf, den neuen Tempel zu zerstören, den Feiertag zu löschen, den falschen Bischof und seine Knechte abzusetzen und zur Anbetung im Geiste zurückzukehren.

   01] Ich aber sagte: »Meidet die Lüge, - welche ist der nächste Abkömmling des Satans!«, - weil ihr nun, wie ich es durch Nymphas erfahren habe und gleichermaßen durch den Geist Christi in mir erfahre, in die Menschensatzung zum großen Teil übergegangen seid.
   02] Was ist der Tempel denn anderes als eine Menschensatzung, ein totes Werk von Menschenhand, also ein eitles Traumwerk, das da auf allezeit vergeht, sobald das Auge vom Schlaf erwacht?!
   03] Da es aber das ist, so ist es eine Lüge, in die ihr euch begebt, um euch selbst zu belügen und zu betrügen, da ihr meint, daß ihr darin Gott die Ehre gäbet; und Gott Selbst belügt ihr, so ihr meint, daß ihr Ihm dadurch einen gar wichtigen Opferdienst erweist!
   04] Ihr Törichten! Welchen Dienst wollt ihr denn tun dem Allmächtigen, der Himmel und Erde schon zuvor gegründet hatte, ehe ihr noch von Ihm erschaffen wurdet?! - Was habt ihr wohl, das ihr nicht zuvor empfangen hättet; so ihr es aber empfangen habt, was tut ihr denn, als so ihr es nicht empfangen hättet?!
   05] wollt ihr mit dem etwa dem Herrn einen angenehmen Dienst erweisen, so ihr Ihn in einem Tempel, von Menschenhand erbaut, anbetet durch Zeremonie und Rauchwerk und durch tote Gebete auf langen oder breiten Streifen?!
   06] O seht, wie sehr hat euch ein Apostel des Satans berückt! - Ist Christus doch, in dem die Fülle der Gottheit wohnt, leibhaftig im Tempel zum Tod verurteilt worden und hat ehedem Selbst von seinem völligem Untergang geweissagt!
   07] Wie möchte Er an dem nunmehr ein Wohlgefallen haben, vor dem Er alle Seine Jünger, wie im Geiste auch mich, gar sehr gewarnt hatte, indem Er sprach: »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Hohenpriester!«?! - Und ihr wollt nun das alte ,Richthaus', das vor Gott ein Greuel geworden ist, zu einer Wohnstätte des Herrn errichten, auf daß ihr Ihn vielfach töten möchtet daselbst!
   08] Wie blind doch und wie sehr in die Welt übergegangen müsst ihr sein, daß euch solches nicht auf den ersten Blick auffallen mochte!
   09] Ist's denn nicht genug, daß Christus einmal für alle gestorben ist und wir alle nun mit Ihm, auf daß wir auferstanden sind noch in unserem Fleisch mit Ihm zur wahren Erkenntnis Seines Geistes, der in uns ist, und zur Erkenntnis des Vaters, der uns eher schon geliebt hatte, als die Welt war?!
   10] Wie oft wohl möchtet ihr Christus noch töten, Ihn, den allein ewig Lebenden, der uns alle einmal erweckt hatte vom Tode zum ewigen Leben durch Seine herrliche Auferstehung?!
   11] Ich, Paulus, aber sage euch: Geht hin und zerstört den Tempel, löscht den bezeichneten Feiertag aus den Kalendern, setzt den falschen Bischof und seine Knechte ab, die sich gleich denen von Jerusalem von eurer Hände Arbeit mästen wollen und haben sich einen großen ehernen Kasten machen lassen, der euer erspartes Gold und Silber aufnehmen soll,
   12] und verbrennt die verbrämten Kleider, die nun vor Gott ein Greuel sind, - so werdet ihr dem Herrn schon dadurch einen bei weitem angenehmeren Dienst erweisen, als so ihr euch tausend Jahre lang möchtet in einem solchen Tempel töten (opfern, d. Ed.) lassen!
   13] Wollt ihr aber durchaus ein Gott wohlgefälliges Haus in eurer Mitte, da erbaut ein Hospital für Kranke, Lahme, für Bresthafte, für Krüppel, für Blinde und Stumme, und ein Haus für arme Witwen und Waisen, und ein Haus für fremde Verunglückte, ohne Ausnahme, wer sie immer sein mögen!
   14] Diese nehmt freudig und mitleidig auf, und teilt allen euren Segen mit ihnen, wie es unser Herr Jesus Christus uns zweimal getan hat, da Er mit Seiner Segensfülle gesättigt hatte Tausende von Hungrigen; da werdet ihr Ihm, dem allein Heiligen, einen wahren wohlgefälligen Dienst tun zu eurer Heiligung.
   15] Denn da hatte Er Selbst dafür geredet, indem Er sprach: »Was ihr aber tut den Geringsten aus diesen Armen, das habt ihr Mir getan!«
   16] So Er Sich aber zum öfteren Male klarst darüber ausgesprochen hatte, was Ihm da sei ein angenehmer Dienst, wie wollt ihr denn dann solch einen, der Ihm ein Greuel, ein Ekelgeruch und Pestilenz ist?!
   17] Ein Herz voll Liebe aber ist der Gott, dem Herrn in Christus, allein wohlgefällige lebendige Tempel und ist Ihm lieber als eine Welt voll salomonischer (Tempel), die alle tot sind, während das Herz lebendig ist und kann Gott und alle Brüder lieben! Also erbaut von neuem diesen Tempel in euch geistlich, und opfert allezeit im selben dem Herrn lebendig!
   18] Nicht der Tempel, nicht die Zeremonie, nicht der Priester und nicht der Bischof, auch nicht der Paulus und seine Jünger; nicht der Jude, nicht der Grieche, noch der Juden Beschneidung und die Vorhaut, noch der Tempel Salomons; so auch nicht der Ungrieche, der Skythe, der Heide, der Freie, der Knecht; noch der Sabbat, noch der Neumond, noch das Jubeljahr ist etwas vor Gott, sondern allein Christus ist alles in allem!
   19] Also zieht denn allein Christus an als die Auserwählten Gottes, als Seine Heiligen und Seine Geliebten, durch den lebendigen Glauben, durch die Liebe, durch herzliches Erbarmen über eure Brüder, durch Freundschaft, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und alle Geduld.
   20] In allem dem vertrage einer den andern, und vergebt euch gegenseitig von Herzen, was da irgend einer hat gegen den andern, und so werde auch ich euch vergeben und der Herr, wie ihr euch vergebt!
   21] Führt nicht Klagen gegeneinander gleich den Heiden, welche da haben ihre eigenen Klagegerichte, sondern seid verträglich und gegenseitig duldsam, und macht eure Sachen im Herzen aus, so werdet ihr vor dem Herrn besser tun, als so ihr alle Satzungen Mosis, die schwer zu merken und noch schwerer zu beobachten sind, auf das gewissenhafteste beachten möchtet; denn an den Satzungen Mosis hat der Herr kein Wohlgefallen, sondern allein nur an einem reinen Herzen, das Gott und die Brüder wahrhaftig liebt.
   22] Und so denn zieht vor allem an die Liebe; denn sie allein gilt vor dem Herrn und ist das allein vollrechtliche Band aller Vollendung und aller Vollkommenheit!
   23] In der Liebe und durch die Liebe regiere der wahre, vollkommene Friede Gottes in euren Herzen, in und zu welchem Frieden ihr auch allein alle berufen seid in einem Leib in Christus dem Herrn; und so ihr Ihm dankt, da dankt ihr Ihm darum allezeit und ewig im Geist und in der Wahrheit,
   24] aber nicht in einem toten Tempel, der da nichts ist vor Gott, dem Herrn und Geber des Lebens, der da allein sieht auf das Herz und auf dessen Frieden!
   25] Lasst das lebendige Wort Christi reichlich unter euch wohnen in aller Liebe und wahrer, vollkommener Weisheit aus ihr! Lehrt und ermahnt und erbaut euch gegenseitig mit allerlei herrlichen geistigen Dingen und Betrachtungen,
   26] mit Psalmen der Liebe und anderen Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern; aber singt im Herzen und macht nicht ein leeres Geplärr mit dem Munde, so werdet ihr dem Herrn angenehmer sein, als da ist das eitle Geplärr der Pharisäer, Juden und Heiden, die da ihren Lippen viel zu schaffen machen des Goldes wegen, aber ihre Herzen sind dabei kälter denn Eis!
   27] Alles aber, was immer ihr tut - sei es mit Worten oder Werken -, das tut im Namen unseres Herrn Jesu Christi, und dankt für alles Gott dem Vater durch Ihn; denn Er ist der Vermittler zwischen Gott und uns, - in Seinem Herzen wohnt die Fülle des Vaters!
   28] Hört aber auch, ihr Weiber zu Laodizea; So will es der Herr, unser Gott von Ewigkeit, daß ihr vollkommen untertan sein sollt euren Männern in Christus dem Herrn; denn im Mann habt ihr das Haupt Christi.
   29] Ihr Männer aber liebt eure Weiber gerechten Maßes und seid nicht hart gegen sie; aber treibt es mit der Liebe eurer Weiber nicht zu bunt, daß ihr darüber des Herrn vergessen könntet, - denn die Liebe zum Herrn muß ledig sein, also, als hättet ihr kein Weib.
   30] Und ihr Kinder seid vollkommen gehorsam euren Eltern in allen Dingen, die nicht gegen Christus sind; denn das ist Sein Wille und ist Ihm angenehm.
   31] Ihr Eltern aber macht nicht bitter die Gemüter eurer Kinder durch harte Worte und Mißhandlungen, auf daß sie nicht scheu werden vor euch und möchten dann zu feigen Kriechern und Heuchlern werden; denn einen offenbaren Trotzkopf könnt ihr durch Liebe geschmeidig machen, - aber ein Heuchler und Schmeichler ist unverbesserlich.
   32] Also sage ich auch euch Knechten und Dienern eurer Herren: Seid ihnen gehorsam in allen Dingen, die nicht gegen Christus sind, - aber nicht mit alleinigem Augendienst, um dadurch euren Herren zu gefallen, sondern in wahrer Einfalt eures Herzens und in stetiger Gottesfurcht.
   33] Alles aber, was ihr verrichtet euren Herren, das verrichtet so, als dientet ihr Christus dem Herrn in aller Treue eures Herzens - aber nicht, als dientet ihr den Menschen -, so werdet ihr auch einst von Ihm den Lohn der Herrlichkeit überkommen.
   34] Wer von euch aber Unrecht verübt an seiner Herrschaft, der tut es auch gleichermaßen an dem Herrn; der Herr aber sieht nicht darauf, ob jemand ist Herr oder Knecht, sondern allein auf das Werk und auf des Werkes Grund.
   35] Wer daher Unrecht tut, dem wird auch der Herr geben dereinst den gebührenden Lohn. - Ihr mögt wohl die Menschen täuschen, aber der Herr läßt Sich nicht täuschen; denn vor Ihm liegen allezeit offen eure Herzen.
   36] Euch dienstgebenden Herren aber sage ich auch, daß ihr wohl bedenkt, daß die Knechte und Diener auch eure Brüder sind vor dem Herrn; daher erweist ihnen allezeit, was da recht ist vor Gott! Gebt ihnen den gebührenden Lohn zur rechten Zeit mit Liebe in Christus, und bedenkt, daß wir alle einen Herrn haben im Himmel, und dieser ist Christus, der Heilige Gottes von Ewigkeit!
   37] Weicht nicht ab vom Gebet, und betet mit Danksagung ohne Unterlass, - aber nicht mit den Lippen, sondern im Geiste und in der Wahrheit mit aller Einfalt eures Herzens und in der wahrhaftigen Andacht in der Liebe zu Christus dem Herrn!
   38] Betet aber auch zugleich für mich, auf daß der Herr mir allezeit die Tür des lebendigen Wortes auftun möchte und ich allezeit reden möchte vor euch und vor allen Brüdern in Christus Sein großes Geheimnis und das Seines Reiches; denn auch ich bin noch an die Welt gebunden und bin ein ganz gemeiner Mensch, der nur dann weissagen mag, wann ihm der Herr die Türe seiner Gnade auftut.
   39] Einfältig und weise sei euer Wandel vor und gegen jedermann, - auch gegen die, welche draußen sind, gegen Juden und Heiden! Ihr sollt niemanden richten - sei er ein Skythe, Heide, Jude, Grieche oder Ungrieche -, sondern sckickt euch weise nach Zeit und Umständen!
   40] Eure Rede sei allezeit mit Liebe gewürzt gegen jedermann und sei voll Salz der wahren Weisheit aus Gott; aus dieser Weisheit sollt ihr allezeit nehmen, was ihr redet mit jemandem, auf daß er erfahre, wie verschieden die göttliche Weisheit ist von der Weisheit der Weltweisen.
   41] Ich, Paulus, aber meine nun, daß ich nichts unterlassen habe, euch zu zeigen, was da ist unter euch, und wie es ist ein giftig Unkraut, ja ein schädlichster Giftbaum, dessen Hauch alles Leben erstickt; und so habe ich nichts mehr gegen euch!
   42] Das aber, liebe Brüder, sei allezeit eine wahre Zeremonie unter euch, daß ihr im Geist und in der Wahrheit Gott, dem Vater in dem Sohn, dadurch die Ehre gebt, daß ihr Ihn allezeit liebt über alles in Seinem Sohn, der für uns alle aus Liebe am Kreuz gestorben ist, um uns zu bringen die Kindschaft wieder, die unsere Väter von Adam her allezeit verwirkt haben.
   43] Ich aber bitte euch um Gottes willen, daß ihr würdige Früchte einer vollen Umkehr von euerm neuen Heidentume in die lebendige Kirche Gottes bringt, welche in euch, aber nicht in den Tempeln, Gewändern und in irgendeiner Zeremonie wohnt.
   44] Die Liebe Gottes und die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch allezeit und ewig!
   45] Wie es aber um mich steht in Rom, das wird euch kundtun der getreue Bruder Tychikus, den ich nun sende zu euch, wie zu den Kolossern, die da gleichermaßen wie ihr sich vom Satan möchten berücken lassen.
   46] Grüßt mir alle lieben Brüder und den Nymphas und seines Hauses getreue Gemeinde; denn ich gebe ihm Zeugnis, daß er gerecht ist und allezeit wie ich zu Gott betet euretwillen.
   47] Grüßt auch die zu Kolossä, so ihr zu ihnen kommt; denn es sind einige unter ihnen, die ihr kennt, die da allezeit gerecht sind und getreu in dem Glauben und in der Liebe zu Gott.
   48] Wenn aber die Kolosser werden ihren Brief gelesen haben, dann lest auch ihr ihn, so wie ich euch um des Herrn willen bitte, daß ihr diesen Brief eben auch die Kolosser sollt lesen lassen!
   49] Denn er tut ihnen so not wie euch! Schließlich aber vermahne ich euch hier schriftlich - wie euch allen auch solches mündlich kundtun wird Tychikus -, daß dieser Brief in allen Gemeinden soll gelesen werden, wie der an die Kolosser.
   50] Meinen Gruß mit meiner eigenen Hand! Gedenkt meiner Liebe! Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch!
   51] Geschrieben von Rom durch Tychikus und dessen Gefährten Onesimus, die da beide gesandt sind zu euch und sind gesandt zu den Kolossern.


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