Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

172. Kapitel: Martins Predigt an die Versammlung der Sonnenmenschen. Vom Kreuztragen auf Erden als Bedingung der Gotteskindschaft.

Originaltext 1. Auflage 1896 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 3. Auflage 1960 Lorber-Verlag

01] Nach diesen Worten wendet sich Martin an die Gemeinde und spricht: „Ihr Alle, die ihr hier bei dieser außerordentlichen Gelegenheit versammelt seid, um Worte des Lebens aus meinem, und endlich sogar aus dem Munde des Herrn Selbst zu vernehmen, lasset euch vor allem gesagt sein, daß ihr euch nicht sollet stören lassen, so nun ein böses Wetter euch bedrohen wird; denn sehet, es ist ja der Gott, der allerhöchste allmächtigste Geist Selbst hier sichtbar gegenwärtig, und ist eben Derselbe, mit Dem ihr Alle mich ehedem habt reden gesehen, wenn auch nicht gehört.

02] Dieser alleinig wahre, ewige Herr und Schöpfer aller Unendlichkeit hat Selbst mir für euch Alle die vollste und wahrste Versicherung gegeben, daß Er den Bösen vor euren Augen auf das allergewaltigste züchtigen wird, so er es wagen sollte, sein arges Spiel noch weiter treiben zu wollen; da wir von Ihm Selbst aber solch eine Versicherung haben, so wollen wir aber auch ohne alle Furcht in aller Geduld harren, was alles der Herr über uns für Gnaden wird ergehen lassen!

03] Ich aber, der nun redet, bin durchaus kein Weiser aus mir, sondern alles, was ich euch nun sagen werde, das werde ich euch sagen aus dem Herrn, nicht in hohen, sondern in ganz einfältigen Worten; daher erwartet auch nicht Hohes, aber dafür desto mehr Wahres und Gutes! Denn ich werde euch geben, was ich habe, und so vernehmet mich!

04] Meine theuren nunmaligen Genossen der Gnade, der Gnade meines Gottes und eures Gottes, meines Herrn und Vaters, und eures Herrn und nun auch eures Vaters! Der allmächtige beste Wille eben dieses Einen Vaters hat euch Alle schon vom Uranfange auf dieser euren herrlichsten Welt mit so viel Vorzügen ausgerüstet, daß sich dieselben gegen die Bewohner meiner Erde in gar kein Verhältniß bringen lassen.

05] Ihr seid eurer Gestalt nach schön, ja so schön seid ihr, daß wir Erdbewohner uns nicht einmal einen reinsten Lichtengel unmöglich schöner vorstellen können; dazu habt ihr die Dauer eures irdischen Lebens freigestellt, so daß da Jeder aus euch leben kann, so lange er will; und der Unterschied zwischen eurem Naturleben, und eurem abgeschiedenen Seelenleben ist wirklich so gering, daß es nahe ein Gleiches ist, ob ihr mit diesem eurem (Körper-)Leibe, oder ohne denselben herumwandelt; ihr sehet und sprechet die, so dahingeschieden sind, wann und wie oft ihr nur immer wollet, und könnet auch sogar mit uns nun ganz reinen Geistern reden und handeln, als hättet ihr gar keinen Leib mehr!

06] Wie ganz anders ist das alles auf jener harten Welt gestellet, auf der ich, und Alle hier mit mir Seienden im Fleische gewandelt haben! Das Naturleben ist zwar wohl unbestimmt, aber dabei dennoch sehr kurz gehalten und gemessen; so von euch Jemand sagt: ich bin jung; da wäre er bei uns schon ungeheuer alt; denn ich weiß es, daß hier in dieser Versammlung es noch gar viele giebt, die nach unserer Zeitrechnung mehrere hundert Jahre alt wären, und das sind bei euch noch junge Menschen, während sie bei uns schon wahrlich fabelhaft alt wären!

07] Also giebt es bei euch aber auch so alte Menschen, daß sie nach unserer Zeitrechnung schon schier älter sind, als das gesamte Menschengeschlecht auf meiner kleinen Welt! Ja es wird hier wohl auch so alte noch im Fleische lebende Menschen geben, die vielleicht noch um tausendmale älter sind! Welche große, wichtige und man könnte sogar sagen - welche heilige Erfahrungen müssen solche Menschen gemacht haben, und welch einen hohen Aufschwung muß eure geistige Bildung an der Seite solcher hocherfahrenen Lehrer gewinnen, und wie tief muß eure Weisheit ihre herrlichsten Wurzeln treiben?

08] Während auf unserer Welt man noch kaum zu begreifen angefangen hat, was das Leben ist, so wird man schon schmerzlichst getödtet, muß aus dem schlechten Fleische, ob zum ewigen Leben oder Tode, das wird wohl kaum Jemanden angezeigt. Kurz, man muß alles verlassen, was man sich irgend erworben hatte, sei's Ehre, Ruhm, Glanz, Tugend, Wissenschaft, Weisheit; darauf wird nie vom Herrn aus Rücksicht genommen! Sondern wenn der heimliche Würge- und Marterengel kommt, und dem Menschen heimlich sein Schwert in's Herz stößt, so ist es dann schon gar.

09] Man muß sterben ohne alle bestimmte Aussicht auf eine Vergeltung! Denn das Leben nach dem Tode des Leibes besteht bei uns nach tradirter Lehre blos nur im Glauben und Hoffen; aber wohl fast Niemand hat schon, wie ihr hier, ein bestimmtes Bewußtsein (des ewigen Lebens) in seinem Fleischleben! Bedenket, welch ein Vorzug das für einen freien Menschen ist, so er, wie ihr hier, ein Herr seines Lebens ist! Wie kann er sich all des Erworbenen freuen, und wie frei genießen all die zahllosen Vorzüge solch eines Lebens!

10] Ihr könnet mit den Seelen eurer von euch leiblich geschiedenen Brüder reden, und könnet sie auch allzeit sehen, als wären sie gar nicht gestorben; bei uns weiß der l000ste kaum, ob nach dem Fleischtode wohl noch ein Leben ist, und wie gestaltet! und doch ist man verpflichtet, alles für ein Leben zum Opfer zu bringen, das so Viele gar nicht kennen, und nicht einmal eine volle Ahnung haben, daß es ein solches Leben giebt, und die es wohl glauben, haben doch nicht die leiseste Andeutung, außer einigen unhaltbaren Fabeln, worin dieses Leben, und wie es bestehet, oder bestehen wird!

11] Denket euch, welch ein unberechenbarer Vorzug das ist, so ein Geschöpf vom Anfange an schon wie ein Herr seines Lebens da stehet!

01] Nach diesen Worten wendet sich Martin an die Gemeinde und spricht: »Ihr alle, die ihr hier bei dieser außerordentlichen Gelegenheit versammelt seid, um Worte des Lebens aus meinem und endlich sogar aus dem Munde des Herrn Selbst zu vernehmen: Laßt euch vor allem gesagt sein, daß ihr euch nicht sollt stören lassen, so nun ein böses Wetter euch bedrohen wird. Denn seht, es ist ja Gott, der allerhöchste, allmächtigste Geist Selbst hier sichtbar gegenwärtig und ist eben Derselbe, mit dem ihr alle mich habt ehedem reden sehen, wenn auch nicht reden hören.

02] Dieser allein wahre, ewige Herr und Schöpfer aller Unendlichkeit hat mir für euch alle die vollste Versicherung gegeben, daß Er den Bösen vor euren Augen auf das gewaltigste züchtigen wird, so er es wagen sollte, sein arges Spiel noch weiter zu treiben. Da wir aber von Ihm Selbst solche Versicherung haben, wollen wir auch ohne Furcht in aller Geduld harren, was der Herr über uns für Gnaden wird ergehen lassen.


03] Ich aber, der nun redet, bin durchaus kein Weiser aus mir. Alles, was ich zu euch nun reden werde, das werde ich euch sagen aus dem Herrn nicht in hohen, sondern in ganz einfältigen Worten. Daher erwartet auch nichts Hohes, dafür aber desto mehr Wahres und Gutes! Ich werde euch geben, was ich habe; und so vernehmt mich!


04] Meine teuren Genossen der Gnade meines und eures Gottes, meines Herrn und Vaters und eures Herrn und nun auch eures Vaters! Der allmächtige Wille dieses einen Vaters hat euch alle schon von Uranfang an auf eurer herrlichen Welt mit so viel Vorzügen ausgerüstet, daß sich diese gegen die Bewohner meiner Erde in gar kein Verhältnis bringen lassen.

05] Ihr seid eurer Gestalt nach schön, ja so schön, daß wir Erdbewohner uns nicht einmal einen reinsten Lichtengel schöner vorstellen können. Dazu habt ihr die Dauer eures irdischen Lebens freigestellt, so daß da jeder von euch leben kann, solange er will. Der Unterschied zwischen eurem Naturleben und eurem abgeschiedenen Seelenleben ist wirklich so gering, daß es beinahe ein gleiches ist, ob ihr mit diesem Leibe oder ohne ihn herumwandelt. Ihr seht und sprecht die Dahingeschiedenen, wann und wie oft ihr nur immer wollt, und könnt sogar mit uns nun ganz reinen Geistern reden und handeln, als hättet ihr gar keinen Leib mehr!


06] Wie ganz anders ist das alles auf jener harten Welt, auf der ich und alle hier mit mir Weilenden im Fleische gewandelt sind! Dort ist das Naturleben zwar unbestimmt, dabei aber dennoch sehr kurz bemessen. So von euch jemand sagt: 'Ich bin jung!', da wäre er bei uns schon ungeheuer alt. Denn ich weiß, daß hier in dieser Versammlung es noch viele gibt, die nach unserer Erdzeitrechnung mehrere hundert Jahre alt wären. Und das sind bei euch noch junge Menschen, während sie bei uns schon wahrlich fabelhaft alt wären.

07] Desgleichen gibt es bei euch aber auch so alte Menschen, daß sie nach unserer Zeitrechnung schon älter sind als das gesamte Menschengeschlecht auf meiner kleinen Welt! Ja, hier wird es wohl auch so alte noch im Fleische lebende Menschen geben, die vielleicht noch um tausend Male älter sind. Welche großen, wichtigen und heiligen Erfahrungen müssen solche Menschen gemacht haben! Welch einen hohen Aufschwung muß eure geistige Bildung an der Seite solch hocherfahrener Lehrer gewinnen, und wie tief muß eure Weisheit ihre herrlichsten Wurzeln treiben!

08] Während man auf unserer Welt noch kaum zu begreifen angefangen hat, was das Leben ist, wird man schon schmerzlichst getötet und muß aus dem schlechten Fleische. Ob zum ewigen Leben oder Tode, das wird kaum jemandem angezeigt! Kurz, man muß alles verlassen, was man sich irgend erworben hatte, sei es Ehre, Ruhm, Glanz, Tugend, Wissenschaft, Weisheit; darauf wird nie vom Herrn aus Rücksicht genommen! Sondern wenn der heimliche Würge- und Marterengel kommt und dem Menschen sein Schwert ins Herz stößt, so ist es dann schon völlig aus.

09] Man muß sterben ohne bestimmte Aussicht auf eine Vergeltung! Denn das Leben nach dem Leibestod besteht bei uns nach überlieferter Lehre bloß im Glauben und Hoffen. Wohl fast niemand hat schon, wie ihr hier, ein bestimmtes Bewußtsein des ewigen Lebens in seinem Fleische! Bedenkt, welch ein Vorzug das für einen freien Menschen ist, so er, wie ihr hier, ein Herr seines Lebens ist! Wie kann er sich all des Erworbenen freuen und wie frei genießen die zahllosen Vorzüge solch eines Lebens!

10] Ihr könnt mit den Seelen eurer von euch leiblich geschiedenen Brüder reden und könnt sie allzeit sehen, als wären sie gar nicht gestorben. Bei uns weiß der Zehntausendste kaum, ob nach dem Fleischtode wohl noch ein Leben ist und wie gestaltet. Und doch ist man verpflichtet, alles für ein künftiges Leben zum Opfer zu bringen, das so viele gar nicht kennen und nicht einmal eine Ahnung haben, daß es ein solches Leben gibt! Die es wohl glauben, haben aber doch nicht die leiseste Andeutung - außer einigen unhaltbaren Fabeln -, worin dieses Leben besteht oder bestehen wird!

11] Denkt euch, welch ein unberechenbarer Vorzug das ist, wenn ein Geschöpf von Anfang an schon wie ein Herr seines Lebens dasteht!

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