Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

136. Kapitel: Der verzückte, sprachlose Bischof Martin und die drei schönen Sonnenjungfrauen.

Originaltext 1. Auflage 1896 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 3. Auflage 1960 Lorber-Verlag

01] Hier treten sogleich drei Jungfrauen von übergroßer Schönheit vor den Martin hin, breiten ihre schönsten Arme aus und sagen: „O du herrlicher Führer dieser deiner schönsten Genossenschaft, was Hehres bringst du uns aus deiner Höhe der Höhen? O rede, du lang Ersehntester!"

02] Martin beißt sich heimlich in die Zunge, und kneipet sich in die Lenden, um auf diese für ihn zu anziehende Anrede doch nicht zu schnell aus seinem angenommenen Ernste in die ihm möglichst größte Gegenfreundlichkeit zu gerathen! Er sagt auf diese Anrede gar nichts; die drei wiederholen daher noch zärtlicher ihre erste Anrede! Martin beißt sich fast die Zunge ab, und redet noch nichts.

03] Die drei Jungfrauen verwundern sich heimlich über diese seltene Stummheit unseres Martins, und sagen dann: „O du Hoher! Siehst du Mackeln an uns, darum du uns keines Wortes würdigen willst? Gefallen wir dir denn nicht? und doch sahen wir, wie du den verstellten Drachen küssen wolltest in deinem Hause auf der Höhe der Höhen!

04] Auch haben unsere Scharfseher dich schon im Merkur gesehen, wie du dort vor einer Schönen nahe ganz zerschmolzen bist, und noch früher sahen sie dich bei der dir wohlbewußten Lämmerheerde, wo du sehr redselig warst, und sie sahen dich auch im sterblichen Leibe auf der Erde wandeln, und waren Zeugen von deinen nicht selten allersonderbarsten Handlungen; da wohl warst du sehr beredt! aber uns Töchter der Sonne würdigest du keiner Antwort. O sage doch, warum du noch immer schweigest?!

05] Wohl wissen wir, daß das Schweigen zur rechten Zeit ein guter Theil der Weisheit ist; aber dies dein gegenwärtig Schweigen scheint kein derartiges zu sein?! Unterbreche dich doch, und rede wenigstens, warum du nun schweigest; unsere Herzen erglühen darnach, und bitten dich!"

06] Martin vergeht nahe schon vor Liebe zu diesen drei zu großen Schönheiten, und denkt nun, was er auf solch ein Verlangen erwidern solle?! Denn das hat er nun schon gemerkt, daß er ihnen von A bis Z bekannt ist, und daß sie alle seine Schliche überaus gut kennen müssen; daher sagt er bei sich ganz überaus heimlich:

07] „O, du über alle menschlichen und englischen Begriffe verzweifelte Geschichte! Das wird eine bis jetzt noch gar nicht dagewesene aller verlegenhaftigst rarste Begebenheit werden! ich solle reden mit ihnen?! Da möchte ich denn doch wissen wie?!

08] Fürs Erste wird ihre ohnehin schon endlos unbegreiflich große reizende Schönheit nur noch größer und stets mehr der höchsten Reize entfaltend, daß man schon darob ganz vollkommen stumm werden muß; und fürs Zweite kennen sie mich ja nahe besser schon, als ich mich selbst je gekannt habe!

09] Wie und was solle ich sonach hier reden?! O Herr! nur jetzt verlasse mich nicht, und du, mein guter Ernst, verlasse mich auch nicht! sonst bin ich rein verloren!

10] O saperment, o saperment, ah, diese un- unendliche Schönheit! ach, diese Augen so feurig wie die Sonne selbst, diese Haare gleich dem blanksten Golde; dieser Nacken! welche Weiche, welche Rundung! welche unaussprechliche Zartheit!

11] Oh, oh, ohohohohoh, dieser Busen! ah, ah! nein! das halt ich keine Minute mehr aus! auf der Erde gibt es nichts, mit dem man diese unbegreiflichste Zartheit nur so von der größten Ferne hin vergleichen könnte!

12] Was ist die Zartheit des reinsten Thautropfens dagegen, was der reinste Schliff eines Diamanten, was ein zartestes Lämmerwölkchen, das die untergehende Sonne umschwebet, getragen vom zartest wehenden Abendhauche!? Was auf der Erde wohl kennet solch eine Weiße?! der reinste von der Mittagssonne beleuchtete Schnee wäre ja gerade kaum nur eine schmutzige Stiefelwichse dagegen zu nennen!

13] Nein, an so was könnte man sich ja gerade eine ganze Ewigkeit nimmer satt sehen! und der Arm, die Hand, der Fuß! Martin kehre deine Augen weg von diesen zu großen reizendsten und zartesten Schönheiten! sonst bist du pf- pf- putsch, rein putsch und matsch, ganz rein matsch!"

01] Hier treten sogleich drei Jungfrauen von übergroßer Schönheit vor Martin hin, breiten ihre Arme aus und sagen: »O du herrlicher Führer dieser deiner schönsten Genossenschaft, was Hehres bringst du uns aus deiner Höhe der Höhen? O rede, du lang Ersehnter!«

02] Martin beißt sich heimlich in die Zunge und kneipt sich in die Lenden, um auf diese anziehende Anrede doch nicht zu schnell aus seinem angenommenen Ernste in die größte Gegenfreundlichkeit zu geraten. Er sagt auf diese Anrede gar nichts. Die drei wiederholen daher noch zärtlicher ihre erste Anrede. Martin beißt sich fast die Zunge ab und redet noch nichts.

03] Die drei Jungfrauen verwundern sich heimlich über diese seltene Stummheit unseres Martin und sagen dann: »O du Hoher, siehst du Makel an uns, darum du uns keines Wortes würdigen willst? Gefallen wir dir denn nicht? Und doch sahen wir, wie du den verstellten Drachen küssen wolltest in deinem Hause auf der Höhe der Höhen!


04] Auch haben unsere Scharfseher dich schon im Merkur gesehen, wie du dort vor einer Schönen nahezu ganz zerschmolzen bist. Noch früher sahen sie dich bei der bewußten Lämmerherde, wo du sehr redselig warst. Und sie sahen dich auch im sterblichen Leibe auf der Erde wandeln und waren Zeugen von deinen nicht selten sonderbarsten Handlungen. Da wohl warst du sehr beredt; aber uns Töchter der Sonne würdigst du keiner Antwort! O sage doch, warum du noch immer schweigst?

05] Wohl wissen wir, daß Schweigen zur rechten Zeit ein guter Teil der Weisheit ist; aber dein gegenwärtiges Schweigen scheint kein derartiges zu sein! Rede wenigstens, warum du nun schweigst: unsere Herzen erglühen darnach und bitten dich!«

06] Martin vergeht schon nahezu vor Liebe zu diesen drei großen Schönheiten und denkt nun, was er auf solch ein Verlangen erwidern soll. Das hat er schon gemerkt, daß er ihnen von A bis Z bekannt ist und sie alle seine Schliche überaus gut kennen müssen. Daher sagt er bei sich ganz heimlich:

07] »O du über alle menschlichen und englischen Begriffe verzweifelte Geschichte! Das wird eine bis jetzt noch nicht dagewesene verlegenhaft rarste Begebenheit werden! Ich soll reden mit ihnen? Da möchte ich denn doch wissen, wie!

08] Fürs erste wird ihre ohnehin schon unbegreiflich reizende Schönheit stets mehr die höchsten Reize entfaltend, daß man schon darob vollkommen stumm werden muß. Fürs zweite kennen sie mich ja beinahe schon besser, als ich mich selbst je gekannt habe!

09] Wie und was soll ich sonach hier reden? O Herr, nur jetzt verlaß mich nicht! Und du, mein guter Ernst, verlaß mich auch nicht, sonst bin ich rein verloren!

10] O sapprament - ah, diese unendliche Schönheit! Ach, diese Augen, so feurig wie die Sonne selbst, diese Haare gleich dem blanksten Golde! Dieser Nacken - welche Weiche, welche Rundung, welche unaussprechliche Zartheit!

11] Oh - oh - dieser Busen! Ah, ah, nein - das halt' ich keine Minute mehr aus! Auf der Erde gibt es nichts, mit dem man diese unbegreifliche Zartheit von der größten Ferne hin vergleichen könnte!

12] Was ist die Zartheit eines reinsten Tautropfens dagegen, was der reinste Schliff eines Diamanten, was ein zartestes Lämmerwölkchen, das die untergehende Sonne umschwebt, getragen vom zartwehenden Abendhauche? Was auf der Erde wohl kennt solch eine Weiße! Der reinste von der Mittagssonne beleuchtete Schnee wäre kaum nur eine schmutzige Stiefelwichse dagegen zu nennen!

13] Nein, daran könnte man sich eine ganze Ewigkeit nimmer satt sehen! Und der Arm, die Hand, der Fuß! - Martin, kehre deine Augen weg von diesen zu großen, reizendsten und zartesten Schönheiten, sonst bist du pfutsch, rein pfutsch und matsch!«

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